Challenge

Zu Ehren der Paralympics und der Seefahrernation England stellen sich behinderte und nicht behinderte Jugendliche und Betreuer einer besonderen Herausforderung. Sie unternehmen als „Crew“ am 24.8.2012 eine Fahrt mit der „Tenacious“ von Emden nach London und nehmen an der Eröffnungsfeier der Paralympics am 29.8.2012 teil.

Inklusion ist Programm und Notwendigkeit auf einem Großsegler. Die einzigartige Herausforderung und das Abenteuer Hochsee bedingen „traditionelle Seemannschaft“ unter Segeln als planmäßige Übung zur Verbesserung körperlicher, seelischer und sozialer Funktionen. Teamgeist, Selbstdisziplin. Rücksichtnahme und Übernahme von Verantwortung für Schiff und Besatzung werden unter extremen Bedingungen gelernt und gefördert. Die Fahrt zu den Paralympics ist kein touristisches Unternehmen – sondern eine echte Herausforderung. Jeder Mitsegler übernimmt ein Stück Verantwortung, nicht nur für sich sondern auch für andere und das Schiff. Besonders beim Arbeiten an Deck und im Segelbetrieb wird gegenseitiges Vertrauen und gemeinsames entschlossenes, umsichtiges Handeln gefordert. Die Herausforderung an den Einzelnen und die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns rufen auch Widerstände hervor. Dieses wird aus der Notwendigkeit der Handlungen, aus dem Zusammenspiel zwischen den Elementen Wasser, Wind, Wetter, Schiff und den verschiedenen Menschen an Bord für jeden Einzelnen akzeptabel und direkt nachvollziehbar.

Es findet also „kein bequemes Reisen“ statt, vielmehr ist die konsequente Beteiligung am Schiffsbetrieb (Seemannschaft) gefordert. Über Kommunikation, Kooperation, Achtung, Vertrauen und Spaß hinausgehend, können sich die Menschen in der Gruppe in ihrer sozialen Dimension erleben. Die daraus entstehende Eigendynamik an Bord wir so für alle Beteiligten zu einem unmittelbar greifbaren und prägenden Erlebnis.

Im Sinne des paralympischen Mottos „Spirit in Motion“ werden sich die Teilnehmer selbst beweisen müssen, um in gemeinsamer Anstrengung die Herausforderung einer Seefahrt nach England zu bewältigen.

Dazu hat der Behinderten-Sportverband Nordrhein-Westfalen mit dem Jubilee Sailing Trust, Southampton, dem Eigner der barrierefreien „Tenacious“ einen Chartervertrag zur Realisierung des Segeltörns abgeschlossen. Der im Jahr 2000 in Dienst gestellte Dreimaster hat eine Länge von 65 m, die größte Masthöhe beträgt 37,6 m und die Segelfläche 1217 m².

Der „Jubilee Sailing Trust“ (JST) – gegründet 1978 – ist eine gemeinnützige Gesellschaft nach britischen Recht. „Lord Nelson“, das zweite Schiff des JST und „Tenacious“ haben seit ihrer in Dienststellung mehr als 36.000 Personen, darunter 13.000 Menschen mit Behinderung (6.000 „Rollis“) auf ihren Reisen als Segelcrew mitgenommen.

Die „Tenacious“ verfügt einzigartige Einrichtungen, die Barrierefreiheit sicherstellen, wie z.B. Aufzüge, einen „sprechenden“ Kompass, Hinweistafeln in Braille, Vibrationsbeläge in den Kojen, um Menschen mit Hörbehinderungen Notfällen zu alarmieren, verschiedene Befestigungspunkte für Rollstühle (bei rauem Wetter), u.a.m.

Max, einer der 12 behinderten Crewmitglieder, ist blind und Rollstuhlfahrer: „Ich bin sehr interessiert an Neuem, abenteuerlustig und nicht ängstlich. Ich kann zwar nicht in die Rahen klettern, um Segel zu setzen, aber vielleicht kann ich beim Navigieren meine Aufgabe finden.“ In der notwendigen Aufgabenteilung werden Max und auch die jungen Übungsleiter von Seglerverband Nordrhein-Westfalen und weitere Crewmitglieder mit und ohne Behinderung ihren Verantwortungsbereich ausfüllen. Die Mannschaft umfasst insgesamt 36 Personen, darunter Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Firmen und Institutionen, die das Projekt fördern und den „Weg in eine inklusive Gesellschaft“ unterstützen.